Die Ghettos der Vorstädte, Rap und Hip-Hop

Seit den 80er Jahre berichten die Nachrichten des französischen Fernsehens und des Rundfunks beinahe täglich über Unzufriedenheit und Unruhen in den Trabantenstädten der Großräume Paris und Lyon. Die "Vorortproblematik" ist zum Gegenstand wissenschaft-licher Forschung geworden. Inzwischen füllen Abhandlungen über Ursachen, Symptome und Verbesserungsvorschläge ganze Bibliotheken. Literarische ("roman-beur") und filmische ("film-banlieue") Ausdrucksformen des Lebens einer zweiten bzw. dritten Einwanderer-Generation in den Großsiedlungen avancierten gerade in den letzten Jahren zu einem beliebten Thema. Dagegen bleiben
musikalische Verarbeitungen des Alltags mit all seinen Problemen und Hoffnungen in der wissenschaftlichen

Analyse ausgespart, und dies obwohl der Rap eine sehr viel breitere, subkulturell fundierte Basis in der Banlieue verfügt und vor allem sehr viel unmittelbarer auf konkrete Schwierigkeiten und Ereignisse vor Ort reagieren kann. Die bisherige Vernachlässigung könnte folgende Ursachen haben:
- Die Rap-Musik paßt schon von Auftreten und Zusammensetzung der Gruppen her nicht in gängige Interpretationsschemata einer quasi unaufhaltsamen "Amerikanisierung" - d.h. vor allem Ethnisierung und Ghettoisierung - französischer Vorstädte
.

- Die mangelnde historische Dimension sozialwissen-schaftlicher Jugend-, Immigrations- und Stadtforschung behindert eine möglicher Relativierung des aktuellen Katastrophismus und einen offeneren Blick.